Vorteile für Oldenburg

In vielen Betrachtungen werden die Bau- und Erhaltungskosten des Stadion nur den direkten Mieteinnahmen gegenübergestellt. Ein neues Stadion und damit das Möglichwerden von Profifußball kann aber vielfältige positive Erträge über die direkten Einnahmen heraus haben.

Wirtschaftliche Effekte

Neben der unmittelbaren Einnahmen durch die Vermietung des Stadions an den VfB Oldenburg, die Oldenburg Knights und weitere Nutzer, bietet ein neues Stadion deutlich mehr Möglichkeiten der Vermarktung und damit mehr Einnahmemöglichkeiten für die nutzenden Vereine oder die Stadt.

Ein wichtiger Faktor ist dabei die Vergabe des Stadionnamens, der (laut Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Stadt) jährlich 100.000 € (in Liga 4) bis 300.000 € (in der 3. Liga) einbringen kann.

Ein noch größeres Potenzial bieten Mehreinnahmen durch besondere Angebote für VIP- und Business-BesucherInnen. Während das Marschwegstadion kaum zusätzlichen Komfort für anspruchsvolle Gäste bietet, gibt es in modernen Stadien Business-Seats und VIP-Logen mit bester Sicht auf das Spiel. Ein direkt angeschlossener Hospitality-Bereich kümmert sich um das leibliche Wohl der Gäste.

VIP-Logen und komfortable Business Seats in der Arena Auf Schalke (Bildquelle: Wo st 01, CC-Lizenz)

Die Mehreinnahmen durch VIP & Hospitality beziffert die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auf bis zu 1,6 Millionen € im Jahr in der 3. Liga. Diese Einschätzung deckt sich ganz gut mit einem Zitat von Bernd Beetz, seines Zeichens Präsident von Waldhof Mannheim:

“Jede Mannschaft der 3. Liga, die keine Logen hat, hat ein strukturelles Defizit von zwei Millionen Euro. Das können sie nicht ausgleichen.”

Waldhof Mannheim-Präsident Bernd Beetz im Kicker

Ein neues Stadion und die Teilnahme am Spitzensport bietet zudem noch weitere mittelbare wirtschaftliche Effekte, so lockt ein neues Stadion mehr BesucherInnen an – ab der 3. Liga aus ganz Deutschland – und so steigen Konsum und Übernachtungen und damit die Steuereinnahmen in der Stadt.

Ein Stadion muss zudem nicht nur für zwei Dutzend Fußballspiele im Jahr herhalten. Weitere und z.T. kontinuierliche Einnahmen können aus unterschiedlichen Nebennutzungen wie Konzerte, Shows, Kongresse oder Firmen-Events generiert werden. (Wir haben auf der Seite Nutzungsmöglichkeiten zahlreiche Beispiele zusammengetragen.)

Freizeitwert

Zuschauer und Mannschaft feiern den Auftaktsieg der Saison 2023/24 (Bild: Succade Ultrà Oldenburg)

Eine lebenswerte Stadt bietet ihren BürgerInnen neben Arbeit, Versorgung und Sicherheit ein reichhaltiges Portfolio an Kultur- und Freizeitangeboten. Ein attraktives Spitzensport-Angebot ist dabei ein sehr relevanter Baustein. Aktuell erfüllt das Marschwegstadion diesen Auftrag nur eingeschränkt: Mangels Komfort, Sicherheit und Verkehrsanbindung ist der Stadionbesuch z.B. für Familien, ältere MitbürgerInnen oder Menschen mit gesundheitlichen oder körperlichen Einschränkungen wenig attraktiv. Eine moderne Arena kann hier den Stadionbesuch für deutlich breitere Schichten zu einer Möglichkeit der Freizeitgestaltung machen.

Man muss nur schauen, wie hoch der Zuschauerschnitt in neueren Stadien ist: Magdeburg, Rostock, Aachen: Die Leute rennen den Klubs die Bude ein, wenn ein vernünftiges Angebot existiert.

Markus Sass (Geschäftsführer, SC Preussen Münster)

Aufmerksamkeit und Attraktivität

Erst ein neues Stadion ermöglicht das dauerhafte Vorstoßen in die 3. Liga und damit den deutschlandweiten Profi-Fußball. Der VfB Oldenburg und seine Fans konnte in der vergangenen Saison hautnah erleben, was für ein immenser Unterschied zwischen der 4. und der 3. Liga besteht. Wir haben nachfolgend einige dieser Effekte zusammen gefasst:

Häufigkeit von Google-Suchen nach „VfB Oldenburg“
  • Entwicklung der Google-Suchen nach „VfB Oldenburg“ fast versiebenfacht (682%)
  • Alle Spiele live übertragen im Pay TV (Magenta Sport)
  • 8 Liga-Spiele + 2 Relegations-Spiele live in den öffentlich-rechtlichen Sendern mit Einschaltquoten jeweils im sechsstelligen Bereich
  • Zusammenfassungen ausgewählter Spiele in der ARD Sportschau (im Schnitt 3,9 Millionen ZuschauerInnen) und in den regionalen Sendern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
  • Zusammenfassungen aller Spiele auf YouTube (über 900.000 Klicks für die 40 Spiele des VfB)
  • Zahlreiche weitere TV-Berichte und Video-Formate
  • Massive Zunahme der Berichterstattung über den VfB Oldenburg in Fachpresse, den deutschlandweiten Medien sowie den regionalen und lokalen Medien, teils um ein bis zwei Größenordnungen (x10, x100). Besonders relevant ist hier auch die Berichterstattung der Lokalpresse außerhalb des Oldenburger Raums.
  • Vorstellung des VfBs in den auflagenstarken Saison-Vorschau-Sonderheften von Kicker und 11Freunde
  • Zwischen- und Endergebnisse im Radio, weitere Reportagen und Podcasts
  • Erwähnung in unzähligen Amateurmedien
  • Der VfB Oldenburg als spielbare Mannschaft in FIFA 23, einem der weltweit am meisten verkaufen Sport-Spiele
  • Verdreifachung (291%) des Zuschauerschnitts im Marschwegstadion im Vergleich zur Vorsaison. Vervierfachung (421%) im Vergleich zur letzten „normalen“ Saison vor Corona (2018/19).
  • Verneunfachung (901%) des Zuschauerschnitts der Auswärtsspiele im Vergleich zur Vorsaison, Verzwölffachung (1.223%) im Hinblick auf die absoluten Zuschauerzahlen.
  • 10.000 Auswärtsfans besuchen Oldenburg, 8.300 Oldenburg-Fans reisen durch die Republik (sogar 15.100 wenn man die „Heim“-Spiele in Hannover und Wilhelmshaven als Auswärtsspiele wertet)
  • Deutlich mehr ZuschauerInnen aus dem Umland

Eine ausführliche Analyse zu diesen Punkten findet in diesem Artikel: Der Wert der 3. Liga

Von diesem immensen Zuwachs an Aufmerksamkeit profitiert nicht nur der VfB Oldenburg sondern auch die Stadt als Ganzes. Bekanntheit und Aufmerksamkeit sind wirtschaftliche und soziale Faktoren, sie können beeinflussen, wo Investitionen stattfinden, wo Menschen Urlaub machen, sich niederlassen, einen Beruf oder ein Studium aufnehmen. Städte wie z.B. Meppen, Kaiserslautern oder Mönchengladbach hätten ohne ihre Fußball-Teams sicher kaum ihre heutige landesweite Bekanntheit erreicht.

Sozialer und gesellschaftlicher Wert

Februar 2023. Der VfB Oldenburg liegt kurz vor Schluss mit 0:2 gegen 1860 München zurück. Aus dem „Nichts“ fällt das spätere „Tor der Saison“, der Anschlusstreffer aus 40 Metern von Manfred Starke. 5.200 Oldenburger im bitterkalten Marschwegstadion stehen und brüllen mit einer Stimme die Mannschaft nach vorne. Getragen vom Publikum rennt der VfB an und mit dem Abpfiff fällt wirklich noch der Ausgleich. Das Stadion steht Kopf. Auf der Tribüne liegen sich wildfremde Menschen in den Armen. Ganz gleich ob Anwältin, Arbeitssuchender, Rentner, Studentin oder Maurer – alle werden in diesem Moment zu einer großen, jubelnden, gemeinsamen Masse.

Der Fußball beschert uns große, emotionale Momente und schlägt genau dann die Brücke zwischen Gesellschaftsschichten, Altersgruppen und Ethnien. Auf den Rängen wird gemeinsam die Mannschaft unterstützt und gefeiert, jeder darf mit seiner Stimme beitragen. Der Fußball verbindet Menschen im Stadion, im Büro, in der Kneipe. Der Fußball fördert die Identifikation mit der eigenen Stadt und ihrer Gesellschaft.

Fußball ist ein wichtiges Kulturgut. Er bringt Menschen zusammen, entfesselt Leidenschaft und verbindet auf und abseits des Rasens.

Claudia Roth (Grüne), Staatsministerin für Kultur und Medien

Das Stadion ist unbestritten ein soziokultureller Ort und muss als solcher auch gedacht werden. 

Verein Werkstattfilm

Der Fußball fördert die Integration. Jeder darf hier die Mannschaft anfeuern, egal woher sie oder er kommt. Die Spieler werden gefeiert, ohne dass auf ihre Herkunft geschaut wird.

Dadurch, dass Fußball auf der Welt und damit auch in Deutschland und Oldenburg so viele Menschen begeistert wie keine andere Sportart, ist die Partizipation für die interessierten Menschen unfassbar niedrigschwellig. Das Eintauchen in die Gemeinschaft ist für jede Person frei skalierbar, vom reinen Konsum über die Medien wie Radio, Fernsehen & Internet, über den Besuch im Stadion, bis hin zum Engagegment in den zahlreichen Fan-Gruppierungen.

Die aktive Fanszene in Oldenburg verbindet Menschen, fördert soziales Engagement und bietet jungen Menschen einen Lernort, um sich bei Erstellung und Durchführung von Choreographien oder bei der Organisation von Veranstaltungen auszuprobieren und selbstwirksam zu werden.

Die VfB-Fans kommen an Menschen heran, die andere schon längst aufgegeben haben.

Ratsfrau Nicole Piechotta im Stadtrat (27.02.2023)

Gerade in einer Zeit, in der von zahlreichen Akteuren die Spaltung unserer Gesellschaft vorangetrieben wird, brauchen wir das gemeinsame Sporterlebnis im Stadion als sozialen Kitt.

Fazit

Durch ein neues Stadion können vielfältige, positive Impulse für unsere Stadt gesetzt werden. Und darum darf – wie bei den meisten anderen kulturellen Einrichtungen auch – der Bau eines Stadions nicht allein aus finanziellen Gesichtspunkten betrachtet werden. Der finanziellen Investition stehen als „Return on Invest“ nicht allein finanzielle Einnahmen, sondern auch zahlreiche positive Effekte für die Stadt und ihre Gesellschaft gegenüber.